Der Blog des VSStÖ – Innsbruck
Der ganz normale Wahnsinn!
Der Fall “Zogaj” ist wohl das bekannteste Beispiel für die unwürdigen und zum Teil menschenrechtswidrigen Zustände in der Österreichischen Asyl und Migrationspolitik. Das alltagsrassistische Gejohle an den Stammtischen ist bereits unüberhörbar, denn endlich “muss die Familie Zogaj dorthin zurück wo sie hingehört!”. Dass Arigona bereits fast ihr halbes Leben in Österreich verbracht hat und in ein ihr mittlerweile fremdes Land ausgewiesen werden soll ist dabei nebensächlich. Denn Recht muss schließlich Recht bleiben poltert die FPÖ und fordert die sofortige Umsetzung des VfGH Urteils sowie ihre Abschiebung. Kein Scherz! Ausgerechnet jene FPÖ, die in der Ortstafelcausa von “wildgewordenen Verfassungsrichtern (sic!)” und einem “politischen Urteil gegen das Land Kärnten” spricht und die Umsetzung von höchstgerichtlichen Urteilen seit Jahren verweigert fordert in diesem Fall plötzlich deren sofortige Exekution.
Als wäre dies alleine noch nicht grotesk genug setzt Innenministerin Fekter dem Ganzen noch die Krone auf. Ihr Ratschlag “sie solle doch ausreisen und dann auf legalem Wege wieder einreisen” kann nur als ausgesprochen zynisch interpretiert werden. Ihr Vorschlag sie solle doch einen Österreicher heiraten, was im übrigen zu keiner Aufenthaltsgenehmigung für Arigona Zogaj führen würde, ist ein Schlag ins Gesicht aller binationalen Paare die mit massivsten Eingriffen in das (Menschen)recht auf Familienleben seitens des Innenministeriums zu kämpfen haben. Für nicht selbst betroffene ist es warscheinlich kaum vorstellbar, wenn plötzlich die Fremdenpolizei vor der Tür steht um zu überprüfen ob es möglicherweise um eine “Scheinehe” handelt. Eine Überprüfung bei der sogar in intimste Lebensbereiche eingedrungen wird, wenn beispielsweise die Anzahl der im Badezimmer vorhandenen Zahnbürsten begutachtet wird. Bei Nichtkooperation gehen die Behörden quasi automatisch von einer “Scheinehe” aus, sogar Ausweisungbescheide wurden in der Vergangenheit bereits erlassen, ohne dass ein ordentliches Gericht in dieser Angelegenheit befasst wurde.
Dabei ist die Causa Zogaj nur eine von vielen Facetten der Österreichischen Asyl- und Migrationspolitik. Mit der Fremdenrechtsnovelle 2010 wurden weitere menschenrechtlich bedenkliche Schikanen für Nicht-EU-Bürger_innen in Österreich eingeführt. Neben Ausweitung der Regelungen für Schubhaft und Aufenthaltspflicht in einem bestimmten Bezirk wurde eine neue zusätzliche Meldepflicht und Registrierungspflicht bei der lokalen Polizeidienststelle eingeführt. Diese betrifft in erster Linie obdachlose Personen, die über keinen gesicherten Aufenthalt verfügen (z.B.: Asylwerber_innen) kann aber auch jederzeit von der Behörde verfügt werden. Bei Nichtbefolgung dieser Registrierung kann über die betreffende Person die Schubhaft verhängt werden. In der Praxis sieht diese Meldepflicht so aus, dass registrierungswillige Asylwerber_innen vor der Registrierung “fremdenpolizeilich vernommen” werden und teilweise sogar mit der Begründung “Verstoß gegen die Meldepflicht” in Schubhaft genommen werden. Dem Innenministerium dient diese neue Meldepflicht in erster Linie um Menschen willkürlich zu inhaftieren damit diese kurzfristig “für Flug- und Bustransfer zur Verfügung stehen und nicht untertauchen” wie Fekter höchstpersönlich erklärt.
Diese Beispiele zeigen ganz deutlich: In Österreich gibt es keine Asyl-, sondern eine Asylverhinderungspolitik. Eine Politik auf Kosten derjenigen, die unsere gesellschaftliche Solidarität am dringensten benötigen. Eine Politik die Menschen tötet, sei es im Abschiebeflieger oder nach erfolgter Abschiebung. Umso wichtiger ist es für alle Demokrat_innen gegen diese die Stimme zu erheben und die strikte Einhaltung der Menschenrechte, die auch in Österreich immer öfter mit den Füßen getreten werden, mit aller Vehemenz zu fordern.
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Stefan Gasser am 17. Juni 2010 um 11:57 veröffentlicht und unter Allgemein abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |
vor 1 Jahr
Ich finde es immer wieder interessant wenn sich ein Physik und Soziologie Student zu juristischen Themen äußert und absolut keine Ahnung hat wie die rechtliche Situation in Österreich ist. Eine Heirat kann zu einem Aufenthaltstitel führen. (§69 NAG). Fräulein Zogaj ist mit ihren Eltern illegal in dieses Land eingereist und zwar zu einem Zeitpunkt (2001) als der Krieg schon 4 Jahre vorbei war (1997) was sie nicht zu eine Kriegsflüchtling macht.
Lieber Stefan lies mal diese Chronologie http://oesterreich.orf.at/ooe/stories/402562/ und sag noch einmal, dass es nur an unserem „unmenschlichen,harten“ System liegt, dass die Zogajs abgeschoben werden. Insgesamt wurden alleine 41 Asylanträge von KosovarInnen 2010 angenommen, es liegt also einzig und allein daran, dass die Familie jegliche rechtliche Bestimmungen zum Aufenthalt, des Staates Österreich, ignoriert hat. Dieses junge Mädchen ist nur so gut integriert weil Sie und ihre Familie sich 9 Jahre lang jeglichen Gesetzten und gerichtlichen Entscheidungen widersetzt haben.
Zu dem Punkt, dass unser Asylsystem so unmenschlich ist: Schon mal davon gehört, dass jeder/e AsylwerberIn die Grundversorgung vom Staat Österreich bekommt solange das Verfahren läuft. Das inkl. Essen,Wohnen,Kleidung,….. Mehr findest du unter
http://www.unhcr.at/rechtsinformationen/asyl-in-oesterreich/oesterreichs-gesetze-rund-um-asyl/grundversorgung.html
Und dass sich AsylwerberInnen einer Meldepflicht unterwerfen müssen liegt wohl eher daran, dass alleine letztes Jahr 1671 AsylwerberInnen plötzlich nach der Erstmeldung verschwunden sind.
Abschließend möchte ich noch bemerken, dass Österreich niemand in ein Kriegsland ausweist bzw. jemanden in den Tod schickt. DAS ZU BEHAUPTEN IST EINFACH BLÖDSINN. Wir haben im Europäischen Vergleich eines der durchlässigsten und humansten Asylrechte.
vor 1 Jahr
Der Vertrag von Dublin ist schon lange umgesetzt und hat in Bezug auf die Flüchtlingsproblematik keinerlei Verbesserungen gebracht. Im übrigen ist die Zahl der Asylwerber_innen in Österreich seit der Schengen Erweiterung stark im Sinken begriffen (wen wunderts).
Außerdem stimmt es nicht, dass Migrant_innen den “Österreicher_innen” auf Tasche liegen, das Gegenteil ist der Fall: Erst durch die Beiträge der Migrant_innen ist unser Sozialsystem gesichert; dies lässt sich durch entsprechende Studien eindeutig belegen.
vor 1 Jahr
1. Der Vertrag von Dublin gehört raschest umgesetzt, dann kommen alle Asylwerber in jenes Land, in dem sie als erstes in der EU auftauchen. Und nicht alle in Österreich, weils da die besten sozialen Bedingungen für Asylwerber gibt.
2. Was die Familie Zogaj vom Kosovo nach Österreich trieb, waren keine Asylgründe, sondern wirtschafliche. Volkshilfe und andere Unterstützer hätten von Anfang an die Pflicht gehabt, auf das hinzuweisen und um normale Zuwanderung anzusuchen.
3. Wenn es im Kosovo so furchtbar zugeht, sollten wir uns Gedanken machen, wieviele Millionen Kosovaren wir bei uns aufnehmen können. Und auch wieviele Georgier, Tschtschenen, Nigerianer, Afghanen, etc. Und wieviel von denen wir versorgen können, ohne dass die Österreicher Nachteile erleiden. UNd das unter der Voraussetzung, dass wir für die “normalen Immogranten” wie die Türken mehr zahlen, als sie Steuern und Abgaben zahlen.
Bitte darüber nachdenken.
vor 1 Jahr
Ich glaub ich muss echt mal ein paar Kopien der UN Menschenrechtskonvention am Campus verteilen. Was die UN vor 62 Jahren nach den Traumata von 2 Weltkriegen jedem menschlichen Wesen zugesagt hat, wird heutzutage von Fekter und ihren Lakaien mit Füßen getreten.
Wo bleibt da die Menschlichkeit?