Als (gott sei dank) ehemaliger Lehramtsstudent habe ich mit großer Aufmerksamkeit die aktuelle Debatte die Ausweitung der Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer um offiziell 2 Stunden (was aber real eine Ausweitung um drei bis vier Stunden bedeutet – denn auch diese zwei zusätzlichen Schulstunden wollen zu Hause vorbereitet werden) mitverfolgt. Aufgefallen dabei sind mir zwei Dinge. Erstens: Lehrerbashen macht Spaß und geht immer – egal, welcher politischen Richtung man ist. Beispielsweise mein Vater, pikanterweise ein Landesbeamter der selbst mal AHS – Lehrer werden wollte, argumentierte wie 66% der ÖsterreicherInnen vorwiegend mit: “Die arbeiten eh nix. Mei bitte, wenn i vier Monat frei hätt im Jahr, da hatt i dann a viel Zeit zum motzen”.

Aber die zweite Beobachtung in dieser Debatte ist die: Anstatt wie vor sechs Jahren, als Gehrer die LehrerInnen durch die Stundenkürzung arbeitslos machte, aber das zumindest bei gleichem Lohn, und daraufhin österreichweit einige zehntausend Schülerinnen und Schüler aus Solidarität auf die Straße gingen, findet sich heute eine gewisse Gleichgültigkeit unter ihnen. Wohl sicher, weil sie diese Regelung nicht direkt trifft (indirekt durch sinkende Qualität sicher). Aber spielt da nicht auch eine gewisse Genugtuung mit, wenn man, wie der Bundesvorsitzende der schwarzen Schülerunion schreibt: “[...] uns Schülerinnen und Schülern ist es egal, wieviele Stunden unsere Lehrerinnen und Lehrer unterrichten[...]“(1). Oder aber die Vertreterin der roten AKS, Katharina Spielmann, ihres Zeichen Stellvertretende Bundesvorsitzende, die gestern in einer Puls 4 Diskussion den Vorschlag von Ministerin Schmid sogar noch verteidigte, und das frei nach dem Motto ‘Besser die LehrerInnen kürzen als wie bei irgendwas, was uns betrifft’. Solidarität scheint hier ein Fremdwort geworden. Peinlich für die GenossInnen.

Der VSStÖ jedenfalls spricht sich klar gegen den Vorschlag von Ministerin Schmid aus. Er erhöht den Arbeitsdruck bei den LehrerInnen anstatt bessere Bedingungen im Lehrberuf (bessere Schulausstattung, Einrichtung von echten Arbeitsplätzen für LehrerInnen, mehr personelle und infrastrukturelle Resourcen für Klassenbesprechungen, etc – die guten Konzepte sind ja bekannt aus Ländern, wo *alle* Kinder lesen und schreiben lernen, etc.) zu schaffen, die verdammt dringend notwendig wären. Es macht zugleich den Beruf unattraktiver in Zeiten, wo es z.B. in naturwissenschaftlichen Fächern LehrerInnenmangel gibt und dieser sich noch verschärfen wird. Ganz abgesehen von dem Teil der jetzt schon fertigen und arbeitslosen Lehramtsstudierenden, die dank dieser Regelung einige Jahre länger auf ihren Job warten müssen. Nur als einige Gründe von vielen.

(1) zitiert von der Presseaussendung auf ihrer Homepage http://schuelerunion.at/alpha/index.php?artikel=361.